Wie geht’s den Lehrlingen?
Mobbing, unbezahlte Überstunden und ausbildungsfremde Tätigkeiten – der aktuelle Lehrlingsmonitor zeichnet ein Bild, wie Lehrlinge ihre Ausbildung tatsächlich erleben, wo es in den Betrieben hakt und wo Verbesserungsbedarf besteht. Denn: Eine gute Lehrausbildung ist die Basis für die Fachkräfte von morgen.
Der fünfte österreichische Lehrlingsmonitor von Arbeiterkammer (AK), Gewerkschaftsbund (ÖGB) und Gewerkschaftsjugend (ÖGJ) zeigt: Nur zwei von drei Lehrlingen bewerten die Ausbildungsbedingungen in den Betrieben als gut. Mehr als ein Drittel sieht Verbesserungsbedarf – sonst verlieren die Betriebe die jungen Fachkräfte rasch wieder. Für die Studie hat das Österreichische Institut für Berufsbildungsforschung über 4.700 Lehrlinge befragt, die sich 2023 im letzten Lehrjahr befanden.
Mobbing und Belästigung
Ein Schwerpunkt des Lehrlingsmonitors ist Mobbing. Dabei zeigen sich teils besorgniserregende Ergebnisse: Ein Drittel der Befragten gibt an, zumindest einmal beleidigt, belästigt, bedroht oder bloßgestellt, also gemobbt worden zu sein. Besonders betroffen sind junge Frauen (40 Prozent), bei Burschen sind es 29 Prozent. Am häufigsten äußert sich Mobbing als ungerechtfertigte Kritik, Schreien oder Schimpfen (62 Prozent).
12 Prozent der Betroffenen berichten sogar von sexueller Belästigung, 10 Prozent von Gewaltandrohungen. Mobbing geht vor allem von Kolleg:innen (61 Prozent), Vorgesetzten (44 Prozent) und Ausbildner:innen (32 Prozent) aus.
Überstunden an der Tagesordnung
Grundsätzlich sind Überstunden für Lehrlinge unter 18 Jahren in Österreich verboten. Tatsächlich leisten jedoch rund 27 Prozent der Lehrlinge Überstunden. Nur drei von vier Lehrlingen erhalten dafür eine vollständige Abgeltung. Aus Sicht von AK, ÖGB und ÖGJ müssen Überstunden in der Lehre die absolute Ausnahme bleiben und jedenfalls korrekt abgerechnet werden.
Ausbildungsqualität: Mangelhaft
Drei Viertel der Befragten geben an, dass es keine kontinuierliche Dokumentation ihrer Ausbildung gibt. Bei zwei von fünf finden keine regelmäßigen Gespräche über den Ausbildungsfortschritt statt. Ein Drittel muss zudem ausbildungsfremde Tätigkeiten leisten. Im Hinblick auf die Lehrabschlussprüfung berichten neun von zehn, dass ihrem Betrieb der Antritt zur Prüfung wichtig ist. Aber nur sechs von zehn werden tatsächlich bei der Vorbereitung unterstützt, und nur etwa die Hälfte hat am Ende der Lehrzeit mit ihren Ausbildner:innen besprochen, welche Anforderungen für die Prüfung zu erfüllen sind.
Verbesserung der Lehrausbildung
Für nachhaltige Verbesserungen sind vor allem die Betriebe gefordert. Denn je höher die Ausbildungsqualität, desto eher wollen Lehrlinge nach ihrem Lehrabschluss im Beruf bleiben. AK, ÖGB und ÖGJ fordern daher, die Ausbildungsqualität als Kriterium für die Lehrstellenförderung heranzuziehen und diese an eine nachvollziehbare Ausbildungsdokumentation zu koppeln. Der Erfolg bei der Lehrabschlussprüfung als Gradmesser für die Ausbildungsqualität im Betrieb – damit aus motivierten Lehrlingen nachhaltige Fachkräfte werden.
Magazin Gesunde Arbeit 1/2026, Stamm-Ausgabe