Gesunde Arbeit

Chronobiologie: Auswirkungen auf die Arbeit

Im Jahr 2017 erhielten erstmals Forscher des Gebiets Chronobiologie (Erforschung der Rhythmen im Organismus) den Medizin-Nobelpreis. Die neuesten Erkenntnisse der Chronobiologie haben Auswirkungen auf die Arbeitswelt und die menschliche Gesundheit.
Univ.-Prof. Dr. Maximilian Moser Univ.-Prof. Dr. Maximilian Moser, Medizinische Universität Graz und Human Research Institut, Weiz

Im menschlichen Organismus schwingen in jeder Zelle und jedem Organ Tausende von biologischen Rhythmen, die für die Steuerung und den Ablauf der Körpervorgänge und für die Gesundheit von essenzieller Bedeutung sind. Der Tagesrhythmus ist mittlerweile sehr gut untersucht, auch in seinen Auswirkungen auf die menschliche Arbeit. Schlaf spielt eine große Rolle. Er macht etwa ein Drittel des menschlichen Tagesablaufs aus und ist ein wichtiger Teil des gesamten Tagesrhythmus. Schlaf ist ein aktiver Prozess, der für die Regeneration der am Tag passierten Belastungsfolgen sorgt. Auch für die Gedächtnisbildung ist er von größter Bedeutung. Regelmäßiger Schlaf von mindestens siebeneinhalb Stunden wird in mehreren Studien mit Millionen von TeilnehmerInnen als besonders günstig für Gesundheit, Wohlbefinden und Lebenserwartung bestätigt.

Wechselschichtarbeit birgt Risiko
Im Idealfall findet Schlaf nachts statt. Klassische Wechselschichtarbeit ist gesundheitlich problematisch und wurde 2007 von der WHO als potenziell kanzerogen (krebsfördernd) klassifiziert. Stoffwechselerkrankungen und Herzinfarkte sind bei langjähriger Wechselschichtarbeit um ca. 30 bis 50 Prozent erhöht. Aus den Erkenntnissen der Chronobiologie können neue Schichtformen gefunden werden, die weniger belastend sind als die derzeitigen wöchentlichen Wechsel. „Eulen“, also Menschen, die am Abend ihre beste Leistungsfähigkeit haben, können relativ gut mit Nachtarbeit umgehen. „Lerchen“ sollten Nacht- und Schichtarbeit meiden. Sie können bei länger dauernder Störung ihrer Rhythmen erkranken.

Erkenntnisse aus dem Bauprojekt
Im Auftrag der AUVA hat unser Institut im Jahr 2000 eine ausführliche Studie mit Bauarbeitern (Baufit-Projekt) durchgeführt, bei denen chronobiologische Erkenntnisse und Interventionen zur Gestaltung des Tages- und Wochenablaufes eingesetzt wurden. Die Schlafqualität wurde signifikant verbessert und es konnten die Unfallzahlen bei 300 Bauarbeitern von etwa 20 Prozent pro Jahr auf null reduziert werden. In 85 weiteren Projekten, die später ohne wissenschaftliche Begleitung durchgeführt wurden, konnten die Unfallzahlen um 30 Prozent reduziert werden, die Krankenstände um 27 Prozent.

Über 8 Stunden nehmen Fehler zu
Für die Gestaltung der täglichen Arbeitsdauer bietet die Chronobiologie interessante Erkenntnisse: Gemäß einer Studie der Harvard Universität nimmt die Zahl der Fehler bis zu acht Stunden Arbeitsdauer kaum zu. Danach steigen die Unfallzahlen mit zunehmender Arbeitszeit drastisch an. Chronobiologie wird für eine Arbeitswelt der Zukunft von größter Bedeutung werden.

Univ.-Prof. Dr. Maximilian Moser
Medizinische Universität Graz und Human Research Institut, Weiz
max.moser@medunigraz.at
www.humanresearch.at

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