Gesunde Arbeit

Brennpunkt Arbeitsplatz: Es wird massiv heißer

Fest steht: Durch die Erderwärmung kommt es in Zukunft zu mehr und intensiveren Hitzeperioden. Diese Prognose wirft auch etliche gesundheitliche Fragen auf: Wie reagiert die Arbeitswelt auf diese Herausforderungen?
Bauarbeiter trinkt Wasser aus Wasserflasche bei Hitze auf der Baustelle Brennpunkt Arbeitsplatz: Es wird massiv heißer.

Wenn man im Sommer Radio hört, hat man das Gefühl, dass praktisch die gesamte Bevölkerung aus UrlauberInnen besteht, die gemütlich im Freibad sitzen und die sommerlichen Temperaturen bei kühlen Getränken genießen. Hitzerekorde purzeln – Medien jubeln. Weniger im Fokus sind die Auswirkungen am Arbeitsplatz. Dort macht die Hitze immer mehr Arbeitenden zu schaffen.

Hitze ist gefährlich
Hitzestress kann massiv belastend sein: Der Organismus versucht, die Körpertemperatur bei 37 °C konstant zu halten. Um einen Kühleffekt zu erzielen, wird mehr Blut in Extremitäten und Haut gepumpt. Während das Herz unter angenehmen Klimabedingungen eine Blutmenge von 6 Liter pro Minute fördert, steigert sich die Förderleistung unter hoher Belastung und einer Körperkerntemperatur von 39 °C auf bis zu 13 Liter pro Minute. Eine Belastung des Herz-Kreislauf-Systems, die drastische Folgen haben kann. Neben der Beeinträchtigung von körperlicher und geistiger Leistungsfähigkeit kann es bei fehlender Erholung und Flüssigkeitsverlust durch Schwitzen zu Hitzekollaps, Hitzschlag und sogar zum Tod kommen. Gerade an Hitzearbeitsplätzen im Außenbereich wie etwa Baustellen sind solche fatalen Folgen nicht unwahrscheinlich. Aber auch an Arbeitsplätzen in Innenräumen wie Küchen, Büros und Spitälern sind aufgrund der teils durch Hitze stark reduzierten Konzentrationsfähigkeit bereits viele Beeinträchtigungen der Arbeitsleistung gegeben. Nicht zuletzt nimmt auch die Unfallgefahr zu.

Heißes Eisen ArbeitnehmerInnenschutz
Obwohl zunehmend Augenmerk auf ArbeitnehmerInnenschutz unter sommerlich-heißer Belastung gelegt wird und seit geraumer Zeit u. a. in der Arbeitsstättenverordnung (AStV) und im ArbeitnehmerInnenschutzgesetz (ASchG) einige Bestimmungen und Regelungen zu finden sind, bleiben viele Fragen offen, speziell wenn es um die praktikable Umsetzung unter realen Bedingungen geht. So können beispielsweise BauarbeiterInnen bei Temperaturen ab 32,5 °C (im Schatten!) „hitzefrei“ bekommen – allerdings nur mit Zustimmung des Arbeitgebers, was in der Praxis nur sehr selten tatsächlich zu erwarten ist.

Nicht minder anspruchsvoll ist etwa auch die Umsetzung von Vorgaben zum Raumklima in Arbeitsräumen (Raumlufttemperatur 19 bis 25 °C in Abhängigkeit von der Tätigkeit; § 28 AStV).


Mehr Aufmerksamkeit für die Gesundheitsrisiken von Hitze
Die Erderwärmung beeinflusst auch bei uns spürbar Arbeitsbedingungen. Die gesundheitlichen Folgen von Hitze werden jedoch nach wie vor oft unterschätzt, häufig auch von den Betroffenen selbst. Daher braucht es neben praxistauglichen gesetzlichen Regelungen auch deutlich verstärkte Aufklärungsarbeit bei ArbeitnehmerInnen für einen wirksamen Gesundheitsschutz.

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