Gesunde Arbeit

„Jugendliche sind die Zukunft der Arbeitswelt“

Im Interview mit „Gesunde Arbeit“ erzählt ÖGJ-Vorsitzende Susanne Hofer, was ihr Lehrlinge über ihre Erfahrungen mit ArbeitnehmerInnenschutz berichten, welche Aufgabe Jugendvertrauensräten dabei zukommt und was das alles mit der Sachertorte zu tun hat.
Susanne Hofer Susanne Hofer ist Vorsitzende der Österreichischen Gewerkschaftsjugend.
Susanne Hofer Susanne Hofer: „Lehrlingen und jungen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ist klar, dass es Schutzmaßnahmen braucht, und sie fühlen sich dank der gesetzlichen Absicherung auch sicher.“

Warum braucht es einen speziellen Schutz für Jugendliche am Arbeitsplatz?
Jugendliche haben wenig bis keine Berufserfahrung. Deshalb ist z. B. das Arbeiten mit gefährlichen Maschinen verboten oder nur eingeschränkt unter Aufsicht möglich. Die Verletzungsgefahr wäre zu groß. Auch der spezielle Arbeitszeitschutz für Jugendliche ist wichtig, denn sie können sich psychisch und körperlich nicht so verausgaben wie Erwachsene. Eine dauernde Schädigung des Körpers in jungen Jahren muss unbedingt vermieden werden.
Jugendliche stehen am Beginn ihres Arbeitslebens, sie haben noch mehr als vierzig Arbeitsjahre vor sich. Damit sie als spätere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zum Regelalter in Pension gehen können, ist es wichtig, dass sie nicht früher aufgrund gesundheitlicher Belastungen aus dem Arbeitsleben ausscheiden müssen. Wie in der Jugend gearbeitet wird, legt dabei den Grundstein für später.


Wie wird der ArbeitnehmerInnenschutz von Jugendlichen wahrgenommen?
Ich mache gerade eine Österreich-Tour und komme dabei in viele unterschiedliche Betriebe. ArbeitnehmerInnenschutz wird doch durchwegs als wichtig und positiv aufgefasst. Lehrlingen und jungen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ist klar, dass es Schutzmaßnahmen braucht, und sie fühlen sich dank der gesetzlichen Absicherung auch sicher. Besonders erfreulich: Die meisten wissen, dass sie mit der Arbeiterkammer und den Gewerkschaften eine starke Vertretung haben, sollte einmal etwas nicht passen.

Welche Aufgaben siehst du im ArbeitnehmerInnenschutz für Jugendvertrauensräte?
Die Jugendvertrauensräte haben eine Fülle an Aufgaben. Ganz oben steht dabei, eine Art Brückenkopf zwischen den Lehrlingen und der Geschäftsführung und das Bindeglied zum Betriebsrat zu sein. Sie sind in den meisten Fällen die ersten Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner, wenn es Probleme im Betrieb gibt, wie eben beispielsweise mit dem ArbeitnehmerInnenschutz. Dann versuchen sie, oft gemeinsam mit dem Betriebsrat, diese Probleme auf Augenhöhe im Rahmen der betrieblichen Sozialpartnerschaft zu lösen. Sie sind aber auch oft die Kontaktperson der Lehrlinge zur Gewerkschaftsjugend. Wenn strukturelle Probleme an uns herangetragen werden, dann versuchen wir, uns dafür einzusetzen, dass es bessere gesetzliche und kollektivvertragliche Regelungen gibt.
In diesem Zusammenhang möchte ich auch nicht ohne Stolz sagen, dass wir es waren, die die Abschaffung des Jugendvertrauensrates, wie von der alten Regierung geplant, mit einer bundesweiten Kampagne verhindert haben.


Was muss in der Praxis noch verbessert werden?
Es gibt Betriebe, die alle Lehrlinge umfassend zu Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz schulen. Da müsste es noch mehr solche Betriebe geben. Denn um Unfälle und Berufskrankheiten vorzubeugen, ist Prävention und Bewusstseinsbildung ganz wichtig. Dazu würde ich mir auch mehr Angebote in Betrieben und Berufsschulen zum Thema Gesundheitsschutz wünschen, z. B. in Berufen, in denen der Bewegungs- und Stützapparat sehr beansprucht wird, wie im Einzelhandel oder in der Gastronomie. Auch Angebote bezüglich Stressprävention wären wichtig. Sinnvoll ist auch, dort, wo es möglich ist, Sport im Betrieb und in der Berufsschule auszuweiten und auch ein Augenmerk auf bewusste Ernährung zu legen. Wenn ich in meinem Berufsalltag gerade einmal Zeit für die tägliche Leberkässemmel habe, dann ist das auch nicht das Gelbe vom Ei.

Was wünschen sich Jugendliche von der zukünftigen Arbeitswelt?
Wir haben eine ganz aktuelle Studie von IFES vorliegen, die die Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier in Auftrag gegeben hat, die uns über diese Frage ziemlich genau Auskunft gibt. Etwa 85 Prozent der Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger wünschen sich, dass sie ihren Job gut mit ihren außerberuflichen Interessen vereinbaren können. Hier kommt ganz stark der Wunsch nach mehr Freizeit durch. Die Realität sieht leider anders aus, denn ein Viertel findet, dass sich der Job nur schwer bis gar nicht mit ihren Hobbys vereinbaren lässt. Die durchschnittlich gewünschte Arbeitszeit ist übrigens 35 Stunden in der Woche, was zeigt, dass wir mit unserer gewerkschaftlichen Forderung dahingehend genau richtig liegen.
Ein gutes Einkommen ist natürlich auch für den Großteil der Jugendlichen ein wichtiges Kriterium. Jugendliche wollen mit dem Geld, das sie verdienen, ein gutes Leben führen können, so wie alle Menschen. Daher kämpfen wir neben der Erhöhung der Löhne und Gehälter auch immer für die Erhöhung der Lehrlingsentschädigungen.
Neben diesen klaren Ansagen besteht auch das Bedürfnis nach sicheren und erfüllenden Jobs, nach einem guten Arbeitsklima und einem respektvollen Umgang innerhalb des Betriebs. Auch hier hat der Jugendvertrauensrat eine ganz wichtige Rolle.


Welchen Tipp würdest du Jugendlichen mit auf den Weg geben?
Seid stolz auf das, was ihr tut! Jugendliche sind die Zukunft der Arbeitswelt. Ohne Lehrlinge, ohne junge Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer geht nichts. Sie sind die Fachkräfte der Zukunft und die Innovationsmotoren vieler Betriebe. Und das schon seit langer, langer Zeit. Franz Sacher war ein 16-jähriger Lehrling, als er 1832 die Sachertorte erfunden hat. Man kann die Bedeutung der Lehre gar nicht hoch genug einschätzen.
Jugendliche, insbesondere Lehrlinge, sollten daher auch stolz auf ihre Arbeit und ihre Leistung sein. Und sie sollen immer wissen: Sie sind nicht allein in der Arbeitswelt. Wer sich zusammentut, kann vieles erreichen, und wir als Gewerkschaftsjugend sind dafür da, junge Leute dabei zu unterstützen, ihre Interessen durchzusetzen.
Und in diesem Zusammenhang will ich noch einen letzten Tipp geben: Werdet Mitglied!

Wir bedanken uns für das Gespräch!
Interview: Ingrid Reifinger, ÖGB

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