Gesunde Arbeit

60 Wochenarbeitsstunden und mehr gefährden die Gesundheit

Heute präsentierte die Österreichische Gesellschaft für Arbeitsmedizin (ÖGA) mit Recht voller Stolz ihren neuen „Leitfaden zur arbeitsmedizinischen Beurteilung langer Arbeitszeiten“, basierend auf der Novelle zum Arbeitszeitgesetz (AZG) vom September 2018.
Dr. Erich Pospischil, Präsident der ÖGA, und Univ.-Doz. Dr. Robert Winker, Sanatorium Hera, bei der Vorstellung des neuen Leitfadens Dr. Erich Pospischil, Präsident der ÖGA, und Univ.-Doz. Dr. Robert Winker, Sanatorium Hera

„Alles, was mehr als ein 10-Stunden-Arbeitstag ist, erhöht das Gesundheitsrisiko“, resümiert der Präsident der ÖGA, Dr. Erich Pospischil. Insgesamt liefert der Leitfaden einen guten Überblick über die aktuelle Literatur und wissenschaftlichen Erkenntnisse zu den Gesundheitsgefahren der Arbeitszeitausweitung.

Geballte Expertise
Univ.-Doz. Dr. Robert Winker vom Gesundheits- und Vorsorgezentrum der KFA-Sanatorium Hera in Wien und Dr. Erich Pospischil, Präsident der ÖGA stellen den Leitfaden vor, der den neuesten Erkenntnisstand über die Zusammenhänge langer Arbeitszeiten und Gesundheit zum Inhalt hat. Ein renommiertes Autorenkollektiv von sieben anerkannten Expertinnen und Experten der Österreichische Gesellschaft für Arbeitsmedizin verfasste diesen Leitfaden.

„Die Neufassung des Leitfadens hat zum Ziel, Maßnahmenempfehlungen zu formulieren, um die Gesundheitsrisiken langer Arbeitszeiten zu bewerten.“, so der Präsident der ÖGA, Dr. Erich Pospischil. Der Mitautor Uni.-Doz. DI Dr. Johannes Gärtner, Geschäftsführer der XIMES GmbH, verweist darauf: „Es gibt klare und gut belegte Zusammenhänge von Gesundheit und Arbeitszeit: Insbesondere hohe Arbeitszeiten und kurze Ruhezeiten sind problematisch. Gut wären Regelungen, die überlange Arbeitszeiten unattraktiv machen, so dass es die Ausnahme bleibt.“ 

Warum der neue Leitfaden?
Grundlage ist die Evaluierungspflicht, weil jegliche Arbeitszeitausweitungen Änderungen der Arbeitsorganisation sind. Nach § 4 ArbeitnehmerInnenschutzgesetz (ASchG) ist eine neuerliche Evaluierung hinsichtlich Gefährdungspotenzial und allenfalls Maßnahmenumsetzung sowie Dokumentation in den Sicherheits- und Gesundheitsschutzdokumenten jedenfalls erforderlich. Eine weitere Verpflichtung besteht im ASchG für die ArbeitgeberInnen zur Information und Unterweisung vor möglichen Gefährdungen und Schutzmöglichkeiten. Wenig bekannt ist beispielsweise, dass bei langer Arbeitszeit bessere und wirksamere Persönliche Schutzausrüstung notwendig sein kann.

Ziel: Unterstützung der Betriebe
Das Ziel der Neufassung des Leitfadens war für die Autorinnen und Autoren die Aufbereitung der aktuellen Literatur zu möglichen Gesundheitsrisiken langer Arbeitszeiten, die Bereitstellung einer Unterstützung bei der Evaluierung und Bewertung konkreter Arbeitsbedingungen im Zusammenhang mit langen Arbeitszeiten und Maßnahmenempfehlungen, insbesondere auch für Bedingungen wie sie bei chronisch Kranken auftreten könnten. Zielgruppe des Leitfadens sind primär die Präventivfachkräfte, aber auch nach dem ASchG verantwortliche ArbeitgeberInnen, Führungskräfte, BelegschaftsvertreterInnen, Sicherheitsvertrauenspersonen und ArbeitnehmerInnen.

Resümee: Gesundheit geht vor
Die Verlängerung der Tages- und Wochenarbeitszeit stellt eine zusätzliche Belastung dar. Aus arbeitsmedizinischer Sicht ist neuerlich wissenschaftlich gesichert bestätigt worden: Lange Arbeitszeiten bergen physische und psychische Gesundheitsrisiken, erhöhen das Unfallrisiko und lösen mehr arbeitsbedingte Erkrankungen aus. Die Arbeitszeitausweitung mit dem 12-Stunden-Tag und der 60-Stunden-Woche der alten Regierung wird von der ÖGA als „nicht gesund“ eingestuft.

Insgesamt liefert der Leitfaden einen guten Überblick über die aktuelle Literatur und wissenschaftlichen Erkenntnisse zu den Gesundheitsgefahren der Arbeitszeitausweitung samt Empfehlungen. Damit ist der Leitfaden sicher eine wertvolle Hilfestellung für die erforderliche Evaluierung, wenn auf betrieblicher Ebene längere Arbeitszeiten angedacht sind.

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