Gesunde Arbeit

Projekt „Generationenbalance: Arbeitsfähigkeit und Arbeitszufriedenheit in allen Lebensphasen“ des Wiener Krankenanstaltenverbundes

Im Sozialmedizinischem Zentrum Süd – Kaiser Franz-Josef-Spital und Geriatriezentrum Favoriten mit rund 2.800 MitarbeiterInnen – wird seit 2008 als Pilotprojekt des Wiener Krankenanstaltenverbundes (KAV) „Generationenbalance“ durchgeführt. Erklärtes Ziel dieses Projekts ist es, den Erhalt bzw. die Förderung von Gesundheit und Arbeitsfähigkeit in allen Berufsgruppen zu unterstützen. Im Folgenden möchten wir beispielhaft den Pflegebereich herausgreifen, um die Problematik darzustellen.

Bereits seit einigen Jahren ist der Personalleitung im KAV bewusst, dass aufgrund der demografischen Entwicklung in Zukunft verstärkt gut ausgebildetes Pflegepersonal benötigt wird. Aus diesem Grund gilt es, Strategien zu entwickeln, welche die Verlängerung der Verbleibedauer im Unternehmen unterstützen. Die Beschäftigtendaten zeigen, dass im Jahr 2002 lediglich 15 Prozent der PflegerInnen im KAV über 45 Jahre alt waren und nur ein Prozent von ihnen das sechzigste Lebensjahr im Beruf erreichte3. Ein üblicher Weg nach einer etwa 15-jährigen Zeit in der Pflege war bisher der Wechsel aus der patientInnenorientierten Pflege in administrative Tätigkeiten, in die Supervision oder die Aus- und Weiterbildung. Zudem sind eine Reihe von PflegerInnen komplett aus dem Beruf ausgestiegen.

Mit dem Ausstieg aus dem Beruf wanderte aber auch das Wissen und die Kompetenz aus den Pflegebereichen ab, und die Lücke zwischen den benötigten Kompetenzen und dem Angebot auf dem Arbeitsmarkt wuchs kontinuierlich. Vor diesem Hintergrund wurden bereits einige Initiativen zur Förderung der Motivation und der Beschäftigungsfähigkeit von PflegerInnen durchgeführt, wie z. B. das Projekt „Meisterhafte Pflege“.

Das Projekt „Generationenbalance“ wurde im November 2008 im Sozialmedizinischen Zentrum Süd gestartet, indem Führungskräfte und MitarbeiterInnen durch Workshops über das anlaufende Projekt informiert wurden. Im Frühjahr 2009 fand eine Befragung aller MitarbeiterInnen bezüglich ihrer Arbeitsfähigkeit und Arbeitszufriedenheit statt. Die hohe Rücklaufquote war ein deutliches Signal, dass besonders das Thema Arbeitsfähigkeit bei allen MitarbeiterInnen auf großes Interesse gestoßen ist. Das Ergebnis wurde wieder an alle Interessierten im Haus kommuniziert.

Zwei wichtige Ergebnisse der Befragung waren, dass erstens die Arbeitszufriedenheit von den MitarbeiterInnen generell hoch bewertet wurde, und dass zweitens körperliche Anforderungen in der täglichen Arbeit besser bewältigt werden als die psychischen und emotionalen.

Nun werden aufgrund der genauen Analyse der Befragungsergebnisse Maßnahmen festgelegt. Durch gezielte Interventionen sollen altersadäquate Arbeitsanforderungen und ein wertschätzender Umgang für MitarbeiterInnen aller Lebensphasen mit einem besonderen Fokus auch auf Ältere geschaffen werden.

Das Gesundheitsförderungskonzept wird derzeit in Zusammenarbeit mit den MitarbeiterInnen des Sozialmedizinischen Zentrums Süd entwickelt. Hier sollen maßgeschneiderte Interventionen für die jeweiligen Abteilungen angeboten werden.

Folgende Maßnahmen zeichnen sich derzeit ab:

  • Verstärkte Kommunikation durch die Führung: Anhand eines jährlichen Leistungsberichtes durch die Kollegiale Führung wird zu bestimmten Themenbereichen Stellung genommen (z. B. Aktivitäten im Haus, Zukunftsplanungen etc.). Dieser Bericht soll in einer Veranstaltung für MitarbeiterInnen vorgestellt und diskutiert werden.
  • Mentoringsystem für BerufseinsteigerInnen bzw. jüngere durch ältere und erfahrene KollegInnen im Pflegebereich: Hintergrund für diese Maßnahme ist die hohe Drop-Out-Rate bei den PflegerInnen in den ersten Berufsjahren nach der Ausbildung.
  • Lobbying für Rotation innerhalb des Pflegebereichs: Die MitarbeiterInnen sollen motiviert werden, innerhalb des Krankenhauses zwischen den verschiedenen Stationen und Abteilungen zu wechseln, um auch andere Bereiche kennen zu lernen.
  • Unterstützung im Umgang mit psychischem und emotionalen Belastungen: Konzept in Entwicklung.


Das Geriatriezentrum Favoriten hat für die Aktivitäten zu „Alternsgerecht Arbeiten“ das Gütesiegel „Nestor Gold“ erhalten, eine Auszeichnung, die vom Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz erstmals 2010 vergeben wurde.

Ansprechpersonen im Sozialmedizinischen Zentrum Süd:
Name: Betina Töltl bzw. Günter Friedrich
Personalentwicklung Personalvertretung
Adresse: A-1100 Wien, Kundratstraße 3
Telefonnummer: 01/60191/1162 bzw. 01/60191/1991
E-Mailadresse: betina.toeltl@wienkav.at bzw. guenter.friedrich@wienkav.at

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