Gesunde Arbeit

Berufliche Exposition mit PAK kann zu Kehlkopfkrebs führen

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA, Deutschland) zeigt in ihrer neuen Studie einen kausalen Zusammenhang zwischen der beruflichen Exposition mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) und der Entstehung von Kehlkopfkrebs. Für Österreich wäre auf Grundlage dieser wissenschaflichen Erkenntnisse eine gesetzliche Regelung in der Liste der Berufskrankheiten (§ 177 und Anlage 1 des ASVG) dringend notwendig.
Die Studie
Die Studie

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA, Deutschland) zeigt in ihrer neuen Studie einen kausalen Zusammenhang zwischen der beruflichen Exposition mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) und der Entstehung von Kehlkopfkrebs. Diese Stoffe entstehen vor allem bei der unvollständigen Verbrennung oder bei Schwelungsprozessen. Dem sind besonders Beschäftigte in der Kokerei-Industrie und bei der Herstellung von Generatorgas oder Aluminium sowie Straßenbauer, Dachdecker und Schornsteinfeger ausgesetzt.

Laut einer Studie der Deutschen Krebsgesellschaft von 2013 erkranken in Deutschland jedes Jahr rund 4.000 Männer und 500 Frauen an Kehlkopfkrebs. Neben Tabak- und Alkoholkonsum sind auch verschiedene Stoffe als Ursache in Diskussion, unter ihnen PAK.

Bereits 2009 wurde durch PAK verursachter Lungenkrebs in die Liste der Berufskrankheiten aufgenommen. Für Kehlkopfkrebs fehlte hierzu bislang die wissenschaftliche Evidenz.

Der nun von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin veröffentlichte systematische Review mit Metaanalyse vergleicht die Ergebnisse zahlreicher epidemiologischer Studien und kommt zu einem eindeutigen Schluss. Es besteht ein robuster Zusammenhang zwischen der beruflichen PAK-Exposition und der Entstehung von Kehlkopfkrebs. Die Wahrscheinlichkeit für diese Erkrankung steigt bei beruflich Exponierten um rund 40 Prozent an.

Zu diesen Ergebnissen kommt die Studie, nachdem alle wissenschaftlichen Publikationen zu diesem Thema bis 2011 ermittelt und nach qualitativen Kriterien bewertet wurden. Anschließend blieben 62 Studien übrig, deren Qualität, Fragestellung und methodischer Ansatz ausreichten, um gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen. Die Ergebnisse des Gutachtens können als Basis für eine gesundheitsbezogene politische Entscheidungsfindung dienen. Politische Entscheidungsträger, Akteure des betrieblichen Gesundheitsschutzes und die wissenschaftliche Fachwelt können nun auf evidenzbasierte Informationen zurückgreifen und sich umfassend informieren.

Auswirkungen für Österreich
Für Österreich wäre auf Grundlage dieser wissenschaflichen Erkenntnisse eine gesetzliche Regelung in der Liste der Berufskrankheiten (§ 177 und Anlage 1 des ASVG) dringend notwendig.

Berufskrankheiten sind Schädigungen der Gesundheit durch die versicherte Tätigkeit. Sie sind in einer Liste als Anhang (Anlage 1) zum ASVG angeführt. Durch eine Generalklausel stehen auch Krankheiten unter Versicherungsschutz, die nicht in dieser Liste enthalten sind: sie müssen nachweisbar berufsbedingt sein und durch schädigende Stoffe oder Strahlen hervorgerufen werden. Neue Gefahren in der Arbeitswelt, aber auch neue Erkenntnisse über Auswirkungen von Schadstoffen oder Belastungen führen dazu, dass die Liste der Berufskrankheiten immer wieder ergänzt wird.

Die Studie zum Download
"Berufliche Exposition mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen und Larynxkarzinom - ein systematischer Review"; Mandy Wagner, Ulrich Bolm-Audorff, Janice Hegewald, Alba Fishta, Jochen Schmitt, Andreas Seidler; 1. Auflage; Dortmund; Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 2014; 164 Seiten. Die Studie gibt es im Internetangebot der BAuA unter der Adresse www.baua.de/publikationen

Forschung für Arbeit und Gesundheit
Sichere und gesunde Arbeitsbedingungen stehen für sozialen Fortschritt und eine wettbewerbsfähige Wirtschaft. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) forscht und entwickelt im Themenfeld Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit, fördert den Wissenstransfer in die Praxis, berät die Politik und erfüllt hoheitliche Aufgaben - im Gefahrstoffrecht, bei der Produktsicherheit und mit dem Gesundheitsdatenarchiv. Die BAuA ist eine Ressortforschungseinrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Über 650 Beschäftigte arbeiten an den Standorten in Dortmund, Berlin und Dresden sowie in der Außenstelle Chemnitz.

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