Gesunde Arbeit

Gesundheitliche Belastungen der Beschäftigten sind hoch

Die besten und die härtesten Jobs Österreichs - Berufe mit geringen bzw. hohen Belastungen

AKOÖ-Präsident Dr. Johann Kalliauer und Georg Michenthaler vom Institut für empirische Sozialforschung (IFES) stellten am 5. Dezember die aktuelle Auswertung des Österreichischen Arbeitsgesundheitsmonitors vor. Diese zeigt das hohe Niveau der gesundheitlichen Belastungen der ArbeitnehmerInnen.
Tage im Krankenstand

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Schlechte Arbeitsbedingungen drücken auf die Psyche
Beschäftigte ohne betriebliche Gesundheitsmaßnahmen

Allerdings haben es manche Beschäftigte besser getroffen als andere. Sie arbeiten in Berufen, in denen körperliche und/oder psychische Belastungen kaum oder nur selten auftreten.
Anhand des Auftretens von solchen Belastungen lassen sich durch den Arbeitsgesundheitsmonitor die fünf besten und die fünf härtesten Berufe Österreichs identifizieren.

• Am unteren Ende der Wertung befinden sich Köche/-innen und Kellner/-innen, Berufskraftfahrer/-innen, Fabriksarbeiter/-innen, Bauarbeiter/-innen und medizinisches Personal (Ärzte/-innen und Pfleger/-innen).

• An der Spitze der Skala liegen Geschäftsführer/-innen, Büroangestellte, Beschäftigte in Rechnungswesen und Buchhaltung, Fachverkäufer/-innen sowie Kindergartenpädagogen/-innen.

Krank zur Arbeit
Der Arbeitsgesundheitsmonitor zeigt, dass Berufskraftfahrer/-innen während der letzten sechs Monate an rund zwölf Tagen auch krank gearbeitet haben und 14 Tage wegen Krankheit zu Hause geblieben sind.
Nur wenig besser ist die Situation der Baubeschäftigten: an neun Tagen krank zur Arbeit und elf Tage im Krankenstand.
Kindergartenpädagogen/-innen gingen ebenfalls an neun Tagen krank zur Arbeit und waren sieben Tage krank zu Hause.
Das medizinische Personal ging im letzten halben Jahr an acht Tagen krank zur Arbeit und war zehn Tage im Krankenstand.
Geschäftsführer/-innen gingen sechs Tage krank zur Arbeit und mussten überdies fünf Tage krankheitsbedingt zu Hause bleiben.

Obwohl nicht an so vielen Tagen, gingen aber 46 Prozent der Geschäftsführer/-innen während der letzten sechs Monate mindestens einmal krank zur Arbeit.
Auch Buchalter/-innen (43 Prozent) und Kindergartenpädagogen/-innen (39 Prozent) liegen hier vorne. Während nur 32 Prozent der Bauarbeiter/-innen krank zur Arbeit gingen, taten sie dies aber mehrere Tage lang.

Körperliche Beschwerden aufgrund der Arbeit
Als häufigste Beschwerde nennen die Beschäftigten immer wieder Rückenschmerzen. Zwischen 59 Prozent (Fabriksarbeiter/-innen) und 70 Prozent (Bauarbeiter/-innen) der Menschen in den fünf „härtesten“ Berufen haben Rückenprobleme. Diese werden zu einem hohen Anteil (63 bis 76 Prozent) direkt mit dem Job in Verbindung gebracht.
Beschäftigte in den fünf Berufen an der Spitze der Skala leiden dagegen häufiger unter anderen Belastungen, wie z.B. Erschöpfung (55 Prozent der Geschäftsführer/-innen). Rückenschmerzen sind aber auch bei ihnen ein Thema (z.B. bei 70 Prozent der Kindergartenpädagogen/-innen).
Augenprobleme betreffen – aufgrund der Bildschirmarbeit - eher Büroangestellte (37 Prozent der Buchhalter/-innen). Köche/-innen und Kellner/-innen klagen dafür überdurchschnittlich häufig über Schmerzen in den Beinen (36 Prozent).

Psychische Belastungen
Interessant und vielleicht überraschend ist, dass die Beschäftigten in Jobs mit hohen körperlichen Belastungen auch psychisch stark belastet sind. 76 Prozent der Berufskraftfahrer/-innen und der Fabriksarbeiter/-innen sowie 72 Prozent der Bauarbeiter/-innen und 71 Prozent des medizinischen Personals geben an, von zumindest einer psychischen Beeinträchtigung betroffen zu sein. Demgegenüber fühlen sich nur 57 Prozent der Kindergartenpädagogen/-innen und der Büroangestellten psychisch belastet, während das 67 Prozent der Geschäftsführer/-innen angeben.

Betriebliche Gesundheitsvorsorge ausbaufähig
In den stärker belastenden Berufen gibt es auffällig wenig gesundheitsfördernde Maßnahmen: Bei Köchen/-innen, Berufskraftfahrern/-innen, Fabriksarbeitern/-innen und Bauarbeitern/-innen haben mehr als zwei Drittel gar keine gesundheitsfördernden Maßnahmen im Betrieb. Mehrere Angebote findet nur ein Bruchteil der Beschäftigten vor - eine Ausnahme ist das medizinische Personal. Wie es anders geht, sieht man in den Jobs, in denen die Beschäftigten eher gesund bleiben. In vielen Büros gibt es Programme, um die Mitarbeiter/-innen zu unterstützen.
Erstaunlich ist, dass drei Viertel der Kindergärten ihren Angestellten Angebote machen. Nicht so gut geht es den Verkäufern/-innen, bei denen nur ein Viertel solche Möglichkeiten hat.
Mehr als 20 Prozent der Beschäftigten in den Berufen Geschäftsführer/-in, Buchhalter/-in und Kindergärtenpädagoge/-in können mehr als drei gesundheitsfördernde Maßnahmen in Anspruch nehmen. Dabei zeigen die Ergebnisse, dass schon wenige Maßnahmen die Gesundheitsbedingungen der Beschäftigten verbessern.

Forderungen der AK Oberösterreich

  • Die Betriebe müssen den klassischen Arbeitnehmerschutz ernster nehmen und die psychischen Belastungen evaluieren. Daraus sind wirksame Maßnahmen abzuleiten, die den Druck auf die Beschäftigten stark verringern.
  • Derzeit sind österreichweit nur rund 300 Arbeitsinspektoren/-innen im Einsatz. Um eine jährliche Überprüfung von Betrieben zu gewährleisten, wären laut Rechnungshof mehr als 2000 nötig. Die Arbeitsinspektion benötigt mehr Kompetenzen und Ressourcen.
  • Ein Bonus-Malus-System, das jene Unternehmen finanziell in die Pflicht nimmt, die krankmachende Arbeitsbedingungen nicht abstellen und jene belohnt, die vorbildlich agieren.
  • Um die Fehlzeiten aufgrund von Muskel-, Skelett- und psychischen Erkrankungen zu reduzieren, ist wesentlich mehr Prävention in den Betrieben notwendig.

Der Österreichische Arbeitsgesundheitsmonitor
wurde auf der Grundlage von ausgedehnten Feldstudien in den Jahren 2006 und 2007 unter Mitwirkung des Arbeitsmedizinischen Dienstes Linz entwickelt. Er ist repräsentativ für alle unselbstständig Beschäftigten in Österreich. Alle Daten des Arbeitsgesundheitsmonitors sind mit den Daten des Österreichischen Arbeitsklima Index verknüpfbar.
Der Österreichische Arbeitsgesundheitsmonitor wird einmal jährlich veröffentlicht. Er ist eine umfassende Erhebung der subjektiven gesundheitlichen Befindlichkeit von Arbeitnehmern/-innen. Neben klassischen Beeinträchtigungen und psychosomatischen Beschwerdebildern (Herz-Kreislauf-Probleme, Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen, Verdauungsbeschwerden, Kopfschmerzen, Beschwerden im Bewegungs- und Stützapparat etc.) werden psychische Beeinträchtigungen (Gereiztheit, Depressivität, Nicht-Abschalten-Können, Motivationsverlust, Resignation etc.) sowie positive Indikatoren der Gesundheit (Persönlichkeitsentwicklung, Selbstwirksamkeit, Wohlbefinden, Leistungsfähigkeit, Sinnwahrnehmung im Leben etc.) erhoben.
Der Österreichische Arbeitsgesundheitsmonitor basiert auf face-to-face-Interviews im Rahmen der IFES-Mehrthemenumfrage. Das Sample beträgt 4000 Interviews jährlich (1000 Interviews je Quartal). Die Grundgesamtheit bilden unselbstständig Beschäftigte ab 15 Jahre in Österreich. Methode der Stichprobenziehung: mehrfach geschichtete Zufallsstichprobe.

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