Gesunde Arbeit

Mobbing ist ein strukturelles Problem!

Mobbing ist aus dem modernen Arbeitsleben leider nicht mehr wegzudenken. Konflikte, die auf diese Weise entstehen, sind schwer eingrenzbar. Denn es geht zumeist weniger um Sachfragen, sondern um die ganze Person bzw. den Menschen dahinter.

Mobbing muss (auch) als Folge von Veränderungsprozessen der Arbeitswelt gesehen werden. Präventionsmaßnahmen auf betrieblicher Ebene sind wichtig, reichen aber nicht aus, um dieses Problem zu bewältigen.

Gängige Definitionen verstehen unter Mobbing „negative kommunikative Handlungen (von einer Person oder mehreren Personen), die gegen eine Person (oder mehrere Personen) gerichtet sind und die sehr oft und über einen längeren Zeitraum hinaus vorkommen und damit die Beziehung zwischen Täter und Opfer bestimmen.“ AK-Arbeitssoziologe Bernd Wimmer: „Diese Definition ist nicht unproblematisch, denn sie versteht Mobbing als ein Problem, das entweder bei einer Person (Opfer oder Täter) oder zwischen zwei Personen (Opfer und Täter) liegt, oder das in der betrieblichen Praxis begründet ist.“

Wer ist schuld?
Während die ersten beiden Lesarten mit Opfer und Täter ein persönliches Verschulden meinen, fasst die dritte Variante Mobbing letztlich als Organisationsversagen auf. Also etwa eine schlechte Arbeitsorganisation oder unzureichende Kommunikation im Betrieb. Präventions- und Hilfsmaßnahmen für Betroffene sind richtig und notwendig, greifen aber insgesamt zu kurz, da sie auf der Ebene des Betriebes ansetzen und dort stehen bleiben. Wimmer: „Dem eigentlichen Grund für Mobbing wird dabei nicht auf den Grund gegangen, denn die sozialen Bedingungen für Mobbing sind nicht ausschließlich auf Ebene des Betriebes zu finden.“

Mobbing ist Bestandteil des Systems
In einer Arbeitswelt der permanenten Kostensenkung und Nutzenmaximierung, der Beschleunigung und Intensivierung, der Fehlerfreiheit und der Flexibilität werden ArbeitnehmerInnen immer mehr unter Druck gesetzt. Wie zahlreiche Studien berichten, leiden immer mehr Beschäftigte unter ständigem Optimierungs- und Präsentationszwang, Entgrenzung von Arbeit und Leben, Leistungsintensivierung und durch die drohende Prekarisierung vermittelte Unsicherheit.

Ellbogen raus!
Wimmer wehrt sich gegen die These, dass „jeder seines Glückes Schmied ist“ und auf sich allein gestellt ist: „Das Problem liegt nicht bei einem selbst, auch nicht am Kollegen oder der Kollegin – es liegt an einer menschenunwürdigen Arbeitswelt. Dieser Aspekt darf nicht außer Acht gelassen werden, wenn wir über körperliche und psychische Gewalt am Arbeitsplatz sprechen und darüber nachdenken!“

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