Gesunde Arbeit

Salzburger Landeskliniken: 2 von 3 MitarbeiterInnen klagen über Zeitdruck und Stress

Eine Befragung der MitarbeiterInnen der Salzburger Landeskliniken zeigt: 2 von 3 MitarbeiterInnen klagen über Zeitdruck und Stress. Und 60 Prozent der Befragten waren schon von verbaler, 15 Prozent von körperlicher Gewalt betroffen.

Die AK hat die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Salzburger Landeskliniken zu ihren Arbeitsbedingungen befragen lassen: 2 von 3 klagen über Zeitdruck und Stress, das ist 3-mal so hoch wie der Salzburg-Schnitt. Ein weiteres Thema: Übergriffe: 60 Prozent waren schon von verbaler, 15 Prozent von körperlicher Gewalt betroffen. Und: Es bleibt immer weniger Zeit für die Patienten. 91 Prozent der Befragten machen dafür den Zeitdruck verantwortlich. Hauptanliegen: Rechtsanspruch auf mehr Autonomie in der Arbeitszeitgestaltung und mehr qualifiziertes Personal. „Die SALK-Belegschaft leistet hervorragende Arbeit an den Patientinnen und Patienten und damit einen unermesslich wertvollen Beitrag für die Gesellschaft“, sagt AK-Präsident Peter Eder, „deshalb gilt es, die Arbeitsbedingungen zu verbessern, sonst brennt die Belegschaft aus und der derzeit hohe Qualitätslevel wird nicht zu halten sein.“  

Insgesamt 6.400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Salzburger Landeskliniken (mit Ausnahme der Ärzte) wurden mittels Fragebogen im Auftrag der Arbeiterkammer vom Institut für empirische Sozialforschung (IFES) zu ihren Arbeitsbedingungen befragt. Der Rücklauf war mit knapp 20 Prozent - für diese Erhebungsmethode - außergewöhnlich hoch. „Mir geht es darum, die Sorgen und Anliegen der Beschäftigten ganz genau zu erfahren, damit ich mich noch zielgerichteter für Verbesserungen stark machen kann“, sagt AK-Präsident Peter Eder, „deshalb habe ich seit meinem Amtsantritt vor gut 10 Monaten schon über 100 Betriebe besucht. Für einen so großes Unternehmen wie die SALK bietet sich allerdings eine standardisierte Erhebung besser an.“ Und diese Erhebung zeigt besorgniserregende Ergebnisse.


Alarmierend: 60 Prozent klagen über Stress
Dass Gesundheitsberufe durch ein hohes Maß an Arbeitsdruck, Verantwortung und Stress geprägt sind, ist für die AK nichts Neues – das hat auch der AK-Arbeitsklima Index 2014 in dieser Berufsgruppe schon gezeigt. Aber das Ergebnis der aktuellen Befragung hat selbst den AK-Präsidenten überrascht: 60 Prozent – also im Prinzip 2 von 3 Beschäftigten dort – klagen über Zeitdruck und Stress, jeder Dritte bezeichnet sich sogar als stark belastet. Das sind 3-mal so viel wie bei den übrigen Salzburger Beschäftigten (laut allgemeinem Arbeitsklima Index 2017).

Betroffenheit über verbale oder körperliche Gewalt
Ein weiterer Punkt, der die SALK-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter belastet, sind Übergriffe: 60 Prozent der Befragten waren schon von verbalen Übergriffen betroffen und 15 Prozent mit Tätlichkeiten und Handgreiflichkeiten in der Arbeit konfrontiert.

Dauerthema Personalknappheit
Ein seit Jahren schwelendes Problem stellt die Personalknappheit dar – 91 Prozent der Befragten sehen darin die Hauptursache für Zeitdruck und Stress. Nicht umsonst wünscht sich der Großteil der SALK-Beschäftigten eine Aufstockung von qualifiziertem Pflegepersonal - etwa um die Zahl der kurzfristigen Einspringerdienste zu reduzieren.

Immer weniger Zeit für die Patientinnen und Patienten
Mehr qualifiziertes Pflegepersonal würde nicht nur den Stressfaktor dämpfen und die Erholungsmöglichkeiten verbessern, sondern auch wieder mehr direkten Patientenkontakt ermöglichen, der in der momentanen Situation von zwei Drittel der Befragten als immer eingeschränkter beschrieben wird.

Arbeitszeit und Gewalt: AK fordert Betriebsvereinbarungen
Eines der Topthemen, nämlich (verbale und körperliche) „Gewalterfahrungen im Arbeitsumfeld“, nimmt die Arbeiterkammer zum Anlass, eine Betriebsvereinbarung von der Geschäftsführung einzufordern. Inhalte einer solchen „Anti-Mobbing-, Anti-Stalking- und Anti-Gewalt-BV“ sollen laut AK einerseits Maßnahmen wie etwa ein Melde-Verfahren und eine zentrale Melde-Stelle für Übergriffe sein. Anderseits braucht es auch inhaltliche Angebote des Dienstgebers an Betroffene, wie zum Beispiel psychologische Hilfe und Beratung.

Zweites zentrales Thema ist der Wunsch der Beschäftigten nach mehr Autonomie bei der Arbeitszeitgestaltung - zum Beispiel weniger „lange Dienste“ für ältere Beschäftigte. Weitere Wünsche: ein Wahlrecht bei der Überstundenabgeltung zwischen Bezahlung und Zeitausgleich, Rechtsanspruch auf unterschiedliche Altersteilzeitmodelle, aber auch die Möglichkeit gesundheitlich-präventiver Kuraufenthalte.

Auch hier könnten Betriebsvereinbarungen Abhilfe schaffen - Beispiel: Eine Dienstplangestaltung mit bestimmten Vorankündigungsfristen, wenn es Änderungen durch den Dienstgeber gibt – damit die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine gewissen Planungssicherheit in Sachen Familien- und Privatleben erhalten.

Eder bietet an: „Unsere AK-Expertinnen und Experten stehen bei solchen Verhandlungen auf Betriebsebene gerne begleitend zur Verfügung.“


Wie geht's jetzt weiter?
Überraschend ist, dass bei den offenen Fragen sehr viele Kommentare mit Klagen, aber auch Verbesserungswünschen zu verzeichnen waren – so viele, dass sich ein ganzes Buch damit füllen ließe. Jene Antworten und Anliegen der Befragten will der AK-Präsident aber erst bei einem Gespräch mit der SALK-Geschäftsführung auf den Tisch bringen:

„Wer mich kennt, weiß, dass ich lösungsorientiert arbeite“, bekräftigt Eder, „mir geht es um Verbesserungen für die Beschäftigten einerseits und um einen fairen Umgang auf Augenhöhe und eine produktive Gesprächskultur mit den Verantwortlichen auf der anderen Seite. Ziel muss sein, dass nachhaltige Maßnahmen erarbeitet werden, von der alle Seiten etwas haben, aber kein Flickwerk betrieben wird. Moderne Spitäler auf dem technisch neuesten Stand sind die eine Sache. Diese zweifellos gute Infrastruktur aber auch mit ausreichend qualifiziertem Personal zum Vorteil von Belegschaft und Patienten bestmöglich zu nutzen, ist die andere Sache. Daran müssen wir arbeiten, die AK steht gerne unterstützend zur Seite.“ 

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